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Hochmoderne Waschmaschine für das Abwasser

In der Gruppenkläranlage an der Hartbrücke werden täglich rund 14000 Kubikmeter Wasser gereinigt

Presseartikel aus dem Bergsträßer Anzeiger vom 25.08.2015  von BA-Mitarbeiterin Gerlinde Scharf

 

LaborWer einer Kläranlage zu nahe kommt, muss darauf gefasst sein, dass es dort gewaltig stinkt. Glaubt man. Denkste! Das ist längst Vergangenheit, versichern Frank Daum, Geschäftsführer des Zweckverbandes Kommunalwirtschaft Mittlere Bergstraße (KMB) und Daniel Zimmermann, Geschäftsbereichsleiter Kläranlagenbetrieb.

Tatsächlich. An der Hartbrücke 18 in Bensheim, dort, wohin die Gruppenkläranlage 1974 von ihrem ehemaligen Standort auf dem späteren ADAC-Gelände umgezogen ist, riecht man nichts. Alles scheint schon beinahe klinisch sauber zu sein. Computer und Schaltpläne, wohin man schaut. Ein eigenes Labor gibt es obendrein. Die Hände muss sich hier keiner mehr dreckig machen. Lediglich in Eingangsnähe, ein paar Schritte vom Abwasserzulauf entfernt, von wo aus die trübe Flüssigkeit vorwiegend aus Privathaushalten, einigen gewerblichen Unternehmen sowie ein geringer Anteil an Niederschlagwasser durch ein weit verzweigtes, unterirdisches Kanalnetz noch unbehandelt in das Regenüberlaufbecken geleitet wird, müffelt es leicht. Die Nase rümpfen muss man deshalb noch lange nicht. Die Zeiten haben sich in den vergangenen 40 Jahren gewaltig geändert. Die Gruppenkläranlage Bensheim, in der es den Abwässern aus den KMB-Verbandsgemeinden Bensheim, Einhausen und Lautertal an den Kragen geht, ist ein hochmoderner, technisch nach den neuesten Erkenntnissen aufgemöbelter Betrieb. Anfang der 1980er Jahre wurde sie um eine Schlammentwässerungsanlage erweitert, Mitte der Neunziger den gestiegenen Anforderungen und gesetzlichen Gegebenheiten an die Wasserqualität sowie dem neuesten Stand der Technik entsprechend gründlich hochgerüstet. Ziel der Investitionen war es, Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphat zu eliminieren.

Geschützte Fischarten

Wenn die „Dreckbrühe“ die Kläranlage wieder verlässt und in den Mühl- und Mittelgraben fließt, ist das Wasser so sauber, dass sich inzwischen wieder seltene, besonders geschützte Fischarten darin tummeln – wie etwa der Steinbeißer. Und er ist nicht der Einzige, auch der Flussbarsch, das Rotauge, die Kessel- und die Schwarzmundgrundel, Gründling und Döbel fühlen sich pudelwohl. Rainer Hennings vom Verband Hessischer Fischer hat einige wenige Vorzeige-Exemplare aus dem Graben herausgefischt und sie im Kontrollraum der Kläranlage in ein Aquarium gesetzt. Auch zu Demonstrationszwecken für Schulklassen, die sich hier gern und oft umsehen – und aus dem Staunen nicht mehr herauskommen.
Logischerweise sind KMB-Spitze, aber auch Leitung und Mitarbeiter der Abwasser-Waschmaschine stolz auf die sehr guten Messwerte, die in kurzen Abständen regelmäßig von externen Stellen kontrolliert werden. Vom Mühl- und Mittelgraben aus sucht sich das gereinigte Lebenselixier zunächst seinen Weg durch den Winkelbach und mündet schließlich in den Rhein. „Die Kläranlage ist quasi die Quelle“, erklärt Geschäftsbereichsleiter Zimmermann den aufwendigen Reinigungsprozess kurz und bündig. Tatsache ist, der Weg vom Schmutz- zum Quellwasser ist alles andere als Hexerei und bis ins kleinste Detail ausgetüftelt: Drei Reinigungsstufen muss das Abwasser über sich ergehen lassen, bis es wieder Tageslicht sieht. Die mechanische Reinigung steht am Anfang. Mit einer Rechenanlage des Sand- und Fettfangs wird zunächst der gröbste Schmutz herausgefiltert, wobei sich die im Abwasser schwebenden Feststoffe im Vorklärbecken am Boden als  Klärschlamm absetzen. 30 Tage dauert das Prozedere, das einen positiven Nebeneffekt hat: Die Klärschlämme werden im Faulturm anaerob stabilisiert, das dabei entstehende Biogas in einem eigenen Blockheizkraftwerk zu Strom und Heizwärme für den Eigenbetrieb des Klärwerks umgewandelt. Der entwässerte Klärschlamm wird momentan noch als Dünger an die heimischen Landwirte abgegeben. Es folgt Reinigungsstufe Nummer zwei, in der eine biologische Phosphatentnahme durch Mikroorganismen stattfindet. Los geht es in einem unbelüfteten Becken, anschließend wird in einem Belebungsbecken mittels eines biologischen Stoffwechselprozesses Stickstoff abgebaut.
Mikroorganismen bauen anschließend die noch vorhandenen Schadstoffe im Wasser ab und bilden den sogenannten „Belebtschlamm“.

Stillstand gibt es nicht

Weiter geht’s mit Stufe drei. Zur Unterstützung des biologischen Großreinemachens findet zu guter Letzt bei Bedarf eine chemische Reinigung statt, bei der nochmals verbleibende Phosphate im Wasser durch Eisen- und/oder Aluminiumsalze „eliminiert“ werden. „Stillstand gibt es nicht. Die Uhr bleibt nicht stehen“, versichern Daum und Zimmermann. Im nächsten Monat wird auf der Anlage ein neues Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen, mit dem man zukünftig den eigenen Energiebedarf des Klärwerks bis auf einen kleinen Prozentsatz selbst abdecken will. Auch beim Blick in die nahe Zukunft sind sie einer Meinung: Die vierte Reinigungsstufe zur Reduzierung von Mikroverunreinigungen, beispielsweise durch Medikamentenrückstände wie die Antibabypille, wird kommen. Am Bodensee, dem größten Trinkwasserspeicher Deutschlands, und an der Isar mit ihren zahlreichen Badeseen, ist die Vision bereits Realität. Die Zeiten, in denen Klärschlamm aus der Kläranlage zum Düngen der Felder verwendet wurde, dürften ebenfalls bald vorbei sein. Langfristig soll dieser nicht mehr auf die Felder aufgebracht, sondern verbrannt werden.

Kanäle verstopfen öfter als früher

Man glaubt es kaum, aber ein Besuch in einer Kläranlage kann durchaus spannend und aufschlussreich sein. Und wer denkt schon daran, wenn er die Spültaste seiner Toilette drückt, was mit dem „Geschäft“ passiert? Auch ein nicht uninteressantes Thema: Weil immer mehr Bürger Gutes für die Umwelt tun wollen und auf WC-Spartasten vertrauen, wird weniger Wasser in die Kanäle gespült, die dadurch schneller verstopfen. Der normale Spüleffekt fehlt. Fazit: Die KMB muss öfter als früher ihre Reinigungsfahrzeuge vor Ort schicken. Allerdings bedeutet dies nicht, dass die Kunden im Verbandsgebiet dafür zur Kasse gebeten werden, beruhigen Frank Daum und Daniel Zimmermann.

Klärwerk in Bensheim: Täglich werden 14000 Kubikmeter Abwasser gereinigt

  • Daniel Zimmermann, Geschäftsbereichsleiter Kläranlagenbetrieb, hat neun qualifizierte Mitarbeiter. Zimmermann ist gelernter Gas- und Wasserinstallateur.
  • Er ist weiter Fachkraft für Wassertechnik, Abwassermeister und technischer Betriebswirt. In der Gruppenkläranlage
    Bensheim ist er seit 2009 beschäftigt, seit 2011 ist er Betriebsleiter.
  • Betreiber der Kläranlage ist der Zweckverband Kommunalwirtschaft Mittlere Bergstraße. Verbandsmitglieder sind Bensheim, Einhausen und Lautertal.
  • Das Kanalnetz hat eine Länge von 329 Kilometern. 23 Pumpwerke, 18 Regenüberlaufbecken, 33 Regenüberlaufbauwerke
    und 19 Kilometer Druckleitungen sorgen dafür, dass das Abwasser kontrolliert in der Kläranlage ankommt.
  • Täglich werden durchschnittlich 14 000 Kubikmeter Abwasser gereinigt. Die Verweildauer in der Kläranlage beträgt rund 28 Stunden.
  • Die vergangene Trockenperiode hat keinerlei außergewöhnliche Maßnahmen notwendig gemacht. Bei Trockenwetter dehnt sich der Klärprozess auf circa 39 Stunden aus (etwa10 000 Kubikmeter Abwasser), bei Regenwetter verkürzt sich die Zeitvon der Einleitung des Abwassers biszur Ableitung des gereinigten Wassersauf etwa 20 Stunden (rund 20 000 Kubikmeter Abwasser).
  • Der Jahresenergiebedarf für den Betrieb der Anlage liegt bei 1,9 Millionen Kilowattstunden. Rund 800 000 Kilowattstunden erzeugt das eigene Blockheizkraftwerk, der Rest wird als Ökostrom zugekauft.
  • Durch das neue Blockheizkraftwerk will man das Verhältnis umkehren.

 

Aufbau der Kläranlage:  www.kmb-bensheim.de/gruppenklaeranlage-bensheim/

Neues Einlaufbauwerk Felsbach

Neues Einlaufbauwerk Felsbach

Neues Einlaufbauwerk Felsbach

Im Zuge der Ertüchtigung der Verdohlung des Felsbaches im Lautertal wurde in Reichenbach eine neues Einlaufbauwerk hergestellt. Bei Starkregenereignissen war das alte Bauwerk immer mit Schwemmgut zugesetzt worden, was zu einer Überflutung der Balkhäuser Straße führte. Dem wurde mit dem neuen  Bauwerk nun abgeholfen.

 

Kanal und Wasserleitungen in Einhausen werden erneuert

In dieser Woche hat der Zweckverband Kommunalwirtschaft Mittlere Bergstraße mit umfangreichen Kanalbauarbeiten im südöstlichen Gemeindegebiete von Einhausen begonnen. In den Straßen In der Wolfshecke, Im Schafweg, Am Katzensee und Promenadenweg werden  insgesamt 360 Meter Abwasserkanal erneuert. Parallel dazu werden vom Wasserbeschaffungsverband Riedgruppe Ost etwa 240 Meter Trinkwasserleitung im Pormenadenweg und in der Straße Am Katzensee erneuert.

Hintergrund der Kanalbaumaßnahme ist die Vergrößerung des Querschnitts des vorhandenen Abwasserkanals von 250 beziehungsweise 300 mm Nennweite auf DN 500 beziehungsweise DN 800 Nennweite. So weit erforderlich werden die Kanalanschlüsse bis zur Grundstücksgrenze ebenfalls erneuert. Gleiches gilt bei den Arbeiten an der Trinkwasserleitung für die Wasserhausanschlüsse.

Verbunden mit den Tiefbauarbeiten ist nach deren Abschluss der barrierefreie Umbau der Kreuzung Promenadenweg / Brunnengewann und die Erneuerung der Fahrbahnfläche im Promenadenweg und in der Straße Am Katzensee.

Während der Bauarbeiten, die voraussichtlich Ende Juli abgeschlossen sein werden, ist eine komplette Sperrung der betroffenen Straßen für den Durchgangsverkehr erforderlich. Im Promenadenweg zwischen Brunnengewann und Am Katzensee sowie in der Straße Am Katzensee erfolgt die Sperrung abschnittsweise.

Im Schafweg gilt das für den Bereich zwischen Waldstraße und Fliederweg und in der Straße In der Wolfshecke zwischen Waldstraße und Rosenweg. Der Verkehr wird über die umgebenden Straßen geleitet, die Zufahrt zu den Anwesen wird bis auf wenige Ausnahmen gewährleistet.

Begonnen wird mit den Arbeiten In der Wolfshecke, dann folgen Promenadenweg, Am Katzensee und Im Schafweg.

Mit einem Anschreiben wurden die Anlieger vom KMB bereits über die anstehenden Bauarbeiten informiert. Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass im Vorfeld Einfriedungen und Außenwände der Gebäude von einem Gutachterbüro auf vorhandene Schäden untersucht wurden. Das ist Voraussetzung, um eventuelle, durch die Bauarbeiten entstandene neue Schäden feststellen und gegebenenfalls regulieren zu können. Allerdings wurde mit einer Baufirma eine erschütterungsarme Bauweise vereinbart, damit es erst gar nicht zu Bauschäden kommt.

Tag der offenen Tür: KMB übergibt Preise an die Gewinner der Quiz-Rallye

Ende September hatte der Zweckverband Kommunalwirtschaft Mittlere Bergstraße (KMB) anlässlich des 50-jährigen Bestehens zum Tag der offenen Tür auf die Gruppenkläranlage eingeladen und viele Bürgerinnen und Bürger hatten die Einladung angenommen.

Tag der offenen Tür: KMB übergibt Preise an die Gewinner der Quiz-Rallye

Für fünf Kinder hatte dieser Blick hinter die Kulissen Folgen der angenehmen Art. Im Verwaltungsgebäude des Zweckverbandes konnten sie von KMB-Geschäftsführer Frank Daum und Verbandsvorsteher Helmut Sachwitz die Belohnung für ihre Teilnahme an einer Quiz-Rallye entgegen nehmen.

Rund um das Thema Abwasser hatten sich die zehn Fragen gedreht. Nach den Arten der Kanalisation wurde beispielsweise gefragt oder danach, wohin das gereinigte Abwasser geleitet wird. Wie bei allen Fragen standen auch hier drei Antworten zu Auswahl: in den Badesee, in den Trinkwasserbehälter oder in den Vorfluter (Gewässer). Die richtigen Antworten waren an den beiden Tagen den aufgestellten Informationstafeln oder den Erläuterungen der KMB-Mitarbeiter bei den Führungen zu entnehmen. Die waren reichlich in Anspruch genommen worden und hatten sowohl den kleinen als auch den großen Besuchern interessante und auch neue Erkenntnisse gebracht.

Insgesamt 73 Teilnehmer hatten den Fragebogen ausgefüllt und 45 davon hatten alle zehn Fragen richtig beantwortet. Anne Weihrich, der weibliche Part des Bensheimer Hessentagspaares, hatte die Auslosung vorgenommen und die fünf Gewinner im Alter zwischen  6 und 13 Jahren ermittelt.

„Wir haben uns über die starke Beteiligung sehr gefreut“, stellt Frank Daum fest und bezeichnete es als schönen Zufall,  dass unter den Gewinnern mit der siebenjährigen Theresia Hebling auch die Enkelin seines Amtsvorgängers beim KMB war.

Verbandsvorsteher und Erster Stadtrat Helmut Sachwitz sprach davon, dass es einer der angenehmen Termine sei, wenn man jungen Bürgerinnen und Bürgern eine Freude machen könne. Die hatten die Jungen und Mädchen, denn für sie hatte sich neben den interessanten Erkenntnissen über den Weg des Abwassers der Besuch auf der Kläranlage doppelt gelohnt.

So erhielten Gina Bertsch und Mark Schweickert als vierten und fünften Preis jeweils eine Zehner-Schülerkarte für das Basinusbad. Sören Bräunig freute sich über einen Gutschein im Wert von 30 Euro für das Luxor Kino und Theresia Hebling kann sich jetzt überlegen, wen sie mit ihren beiden Eintrittskarten für den Holiday-Park in Hassloch mitnimmt.

Die mit sechs Jahren jüngste Gewinnerin Hanna Priester konnte voller Stolz ein Samsung Galaxy Tablet-PC 7.0 als ersten Preis mit nachhause nehmen.

Bild, KMB: Preisvergabe beim KMB mit (v.l.) Mark Schweickert (4. Preis), Sören Bräunig (3. Preis), Geschäftsführer Frank Daum, Theresia Hebling (2. Preis), Verbandsvorsteher Helmut Sachwitz und Hanna Priester (1. Preis). Auf dem Bild fehlt Gina Bertsch (5. Preis).

Wilhelm-Euler-Straße teilweise gesperrt

Kanalbaumaßnahmen des KMB machen ab kommenden Montag (22.) eine Vollsperrung der Wilhelm-Euler-Straße im Abschnitt zwischen Heidelberger Straße und Jakobsweg erforderlich. Die Arbeiten dauert voraussichtlich bis Mitte Dezember an.

In dieser Zeit wird der auf der Heidelberger Straße von Süden kommende Verkehr über die Friedhofstraße ins Hemsbergviertel umgeleitet. Für den aus Norden kommenden Verkehr erfolgt die Umleitung über die Limes- und Römerstraße. In der Wilhelm-Euler-Straße wird der von Osten kommende Verkehr über Jakobsweg und Limesstraße umgeleitet.

50. Geburtstag beim KMB

Offene Türen auf der Kläranlage am 27. und 28. September

Imagebroschüre

Der Zweckverband Kommunalwirtschaft Mittlere Bergstraße (KMB) blickt in diesem Jahr auf sein 50-jähriges Bestehen zurück und öffnet aus diesem Anlass seine Türen. Am letzten Wochenende im September (27./28.) lädt der KMB die interessierte Bevölkerung zum Tag der offenen Tür auf die Gruppenkläranlage ein.

Denn die Abwasserbeseitigung ist der Ursprung des heutigen Zweckverbandes, der mit der Gründung des Abwasserverbandes Bensheim-Lautertal am 26. Mai 1964 seinen Anfang genommen hatte. Die Kläranlage an der Hartbrücke wurde erst zehn Jahre später im Juni 1974 eingeweiht.

Über die ereignisreiche Entwicklung des Zweckverbandes, der heute ein leistungsstarker Dienstleister für Kommunen ist, kann man sich am Festwochenende auf unterschiedliche Weise informieren. An beiden Tagen ist die Gruppenkläranlage von 11 bis 17 Uhr geöffnet und bietet neben umfangreichen Informationen auch Kurzweil und ein Angebot für Kinder.

Zum Programm gehören Führungen durch das Klärwerk, eine Ausstellung zum Thema Abwasser und Umweltschutz, die Vorführung von Maschinen und Fahrzeugen sowie die Präsentation von Partnerunternehmen des KMB im Bereich Abwasser.

Für die kleinen Besucher gibt es an beiden Tagen Kinderschminken zwischen 12 und 15 Uhr und eine Kreativ-Werkstatt zwischen 13 und 16 Uhr. Hier bietet die pädagogische Abteilung des Bensheimer Museums aus ihrem Programm interessante Aktionen an. Eine Hüpfburg und eine Rallye für Kinder zum Thema Abwasser, bei der es tolle Preise zu gewinnen gibt, vervollständigen das Kinderprogramm an beiden Tagen.

Beim musikalischen Frühschoppen am Sonntag wird ab 11.30 Uhr das Musikcorps Einhausen aufspielen. An beiden Tagen wird auch für das leibliche Wohl der Besucher bestens gesorgt sein.

Drei Millionen Euro fließen in Kläranlage

Artikel aus dem Bergsträßer Anzeiger vom 05.06.2013 von Redaktionsmitglied Dirk Rosenberger

Regenüberlaufbecken

Rechengebäude

BENSHEIM. Der gemeine Bensheimer verbraucht täglich 90 Liter Wasser. Was in der Toilette verschwindet oder beim Duschen, Kochen und Hände waschen abfließt, landet in der Gruppenkläranlage des Zweckverbands Kommunalwirtschaft Mittlere Bergstraße (KMB) im Neuwiesenfeld.Dort werden die Abwässer aus Bensheim, Lautertal und Einhausen gereinigt. Um weiterhin reibungslose Abläufe gewährleisten zu können und sich zukunftssicher aufzustellen, investiert der KMB 3,2 Millionen Euro in die Kläranlage. Das teilten Geschäftsführer Frank Daum, Verbandsvorsteher Helmut Sachwitz und Daniel Zimmermann gestern mit. Zimmermann ist der Bereichsleiter für den Kläranlagenbetrieb. Insgesamt werden vier Vorhaben umgesetzt.

 

Erweiterung des Rechengebäudes

Der größte Kostenpunkt mit 1,7 Millionen Euro bildet der Umbau des sogenannten Rechengebäudes. Im Gebäude aus den 70er Jahren werden im Zuge einer mechanischen Reinigung alle groben Stoffe aus dem Schmutzwasser herausgefiltert. „Toilettenpapier, Holz, Treibgut, Plastikteile. Vieles was nicht ins WC gehört“, erklärte Zimmermann. Der Umbau umfasst neben der Erweiterung des Hauses die Erneuerung der Ausrüstung und einen eigenen Anbau für die Maschinentechnik. Künftig wird die Brühe über Förderschnecken nicht nur in eine, sondern zwei Reinigungsstraßen laufen. „Das verbessert die Qualität deutlich“, so Daum. 1,7 Millionen Euro müssen veranschlagt werden.

Für 310.000 Euro erhält die Anlage außerdem ein Notstromaggregat. Das wird in einem Container hinter den Faultürmen aufgebaut. Bisher konnte bei einem Stromausfall über die eigenen Blockheizkraftwerke die Versorgung kurzzeitig sichergestellt werden. Eine in Auftrag gegebene Risikobewertung eines Ingenieursbüros empfahl jedoch, sich mehr Unabhängigkeit zu verschaffen. „Wir müssen gewährleisten, dass in einem Katastrophenfall kein ungeklärtes Abwasser in die Umwelt gelangt“, betonte Sachwitz. Bei neuen Anlagen gehört diese Absicherung bereits zum Standard. Bensheims größte Reinigungsmaschine wurde jedoch Mitte der 90er Jahre zum letzten Mal saniert. Die Verantwortlichen wollen mit der Modernisierung nicht nur auf den neusten Stand der Technik kommen, sondern „höchstmögliche Sicherheit ausgestalten“ (Daum).

Dass sich nach zwei Jahrzehnten die Welt weitergedreht hat, zeigt sich vor allem im Schaltraum. Die Prozessleittechnik und die programmierbare Steuerung bedürfen dringend einer Aktualisierung. Das Betriebssystem arbeitet mit DOS, Ersatzteile schwierig zu beschaffen. 800.000 Euro kostet die Optimierung – was gut angelegtes Geld sein dürfte, schließlich laufen alle Vorgänge computergesteuert ab.

Der letzte Punkt auf der Investitionsliste dient in erster Linie der Arbeitserleichterung der Mitarbeiter. Schrittweise werden alle Außenstationen im Verbandsgebiet vernetzt. Das bedeutet: Bei einer Störmeldung musste bisher gleich vor Ort nach der Ursache gesucht werden. Nach der Umrüstung kann zunächst aus der Ferne über PC, Laptop oder Tablet geprüft werden, was für ein Problem vorliegt. Bis alle Stationen angebunden sind, werden aber noch einige Jahre ins Land gehen. „Wir haben mit den größeren angefangen“, so Zimmermann.

Arbeiten dauern bis 2014

Alle fünf Jahre lässt der KMB die Kläranlage zertifizieren, zuletzt 2012. „Das verlief ohne Probleme und Beanstandungen. Es geht aber nur mit qualifiziertem Personal und einem optimalen technischen Zustand der Einrichtungen“, betonte Verbandsvorsteher Sachwitz. In der Verbandsversammlung sei die Erneuerung einstimmig beschlossen worden. Sachwitz wertete dies als Indiz, dass die interkommunale Zusammenarbeit an dieser Stelle funktioniert und Vertrauen in die Entscheidungsträger vorhanden ist.

Die Umbauarbeiten auf dem weitläufigen Gelände sollen im Frühjahr 2014 zum Abschluss kommen. Die Installation des Notstromaggregats nimmt mehr Zeit in Anspruch, weil das Gerät individuell auf die Bensheimer Erfordernisse zugeschnitten wird.

Zahlen und Fakten

  • Die Kläranlage des KMB wurde 1974 gebaut und 1982 um eine Schlammentwässerungsanlage erweitert.
  • Täglich werden durchschnittlich 14.000 Kubikmeter Abwasser gereinigt, im Jahr beläuft sich die Summe auf 5,5 Millionen Kubikmeter.
  • Ein Durchlauf dauert rund 28 Stunden. Bei Regenwetter flutscht es entsprechend schneller (20 Stunden), an trockenen Tagen geht es langsamer voran (39 Stunden).
  • Der jährliche Energiebedarf liegt bei 1,9 Millionen Kilowattstunden Strom. 900.000 Kilowattstunden werden über drei eigene Blockheizkraftwerke abgedeckt, in denen Klärgas umgewandelt wird. Der weitere Bedarf wird über Ökostrom abgedeckt, der zugekauft werden muss.
  • Das Kanalnetz des Zweckverbands ist 329 Kilometer lang. 23 Pumpwerke, 18 Regenüberlaufbecken und 33 Regenüberlaufbauwerke liegen im Einzugsgebiet verteilt.
  • Die Größe der Kläranlage, in der das Abwasser aus Bensheim, Lautertal und Einhausen aufbereitet wird, ist auf 90.000 Einwohner ausgelegt. Der derzeitige Auslastungsgrad beträgt 75 Prozent – Reserven sind demnach vorhanden.
  • Die Wasserwerte werden täglich gemessen und im Labor überwacht. Nach der Reinigung fließt das geklärte Abwasser in den Mühl- und Mittelgraben.
  • Der Zweckverband ist neben der Abwasserentsorgung als Dienstleistungsunternehmen im kommunalen Straßenbau tätig. Außerdem gehören der Bauhof-Service Bensheim und das Bestattungswesen seit 2011 zum KMB.